Vom schwierigen Start in ein neues Leben in einem fremden Land


Alle Steinberger Flüchtlinge büffeln intensiv Deutsch — mit ehrenamtlichen Lehrern

Sie haben nun seit rund einem Jahr in Stein­berg am Gei­er­berg eine Unter­kunft gefun­den und war­ten auf die Aner­ken­nung ihrer Asyl­an­trä­ge — die 13 Flücht­lin­ge aus Soma­lia und Eri­trea. Der wich­tigs­te Bau­stein für eine Zukunft in Deutsch­land ist und bleibt das Erler­nen der deut­schen Spra­che.

Hier küm­mer­ten sich bis­her Mari­an­ne Schmitz, ehe­ma­li­ge Rek­to­rin der Mar­k­lk­ofe­ner Grund­schu­le, Egon Hage­ne­der, Mar­tin Karl­stet­ter, Dr. Chris­toph Kager­bau­er und neu­er­dings auch Chris­ti­an Klei­ner mit viel Enga­ge­ment um die Ver­mitt­lung der sprach­li­chen Basis­kennt­nis­se und gaben Tipps für das neue Leben in Deutsch­land. Beim Zurecht­fin­den in der mög­li­chen neu­en Hei­mat hat­ten die Flücht­lin­ge das gro­ße Glück, auf beson­ders hilfs­be­rei­te Nach­barn zu tref­fen.
Das Ehe­paar Vils­mei­er half und hilft, wo immer Fra­gen auf­tau­chen sowie Hil­fe und Zuspruch benö­tigt wird oder jemand krank wird. Und dass im Prin­zip rund um die Uhr.
Im Lau­fe des ver­gan­ge­nen Früh­jahrs und Som­mers konn­ten fast alle Flücht­lin­ge stun­den­wei­se in soge­nann­te Ein-Euro-Jobs ver­mit­telt wer­den, um zumin­dest schon mal ein klei­nes biss­chen in die hie­si­ge Arbeits­welt zu schnup­pern und im All­tag die neu erwor­be­nen Sprach­kennt­nis­se aus­zu­pro­bie­ren — bei­spiels­wei­se beim Bau­hof, im Schwimm­bad oder beim Zweck­ver­band Was­ser­ver­sor­gung Mitt­le­re Vils in Aham. Im Win­ter ist die­ses Arbeits­an­ge­bot, das eh sehr ein­ge­schränkt ist, kaum noch vor­han­den.

Auch Dr. Christoph Kagerbauer hilft als freiwilliger Deutschlehrer bei der Integration der Flüchtlinge

Da traf es sich gut, dass nach einem Jahr nun auch lang­sam amt­li­che Maß­nah­men anlau­fen, die das ehren­amt­li­che Bür­ger­en­ga­ge­ment unter­stüt­zen und für zeit­li­che Ent­las­tung sor­gen. Fünf Mit­glie­der der Stein­ber­ger Flücht­lings­grup­pe haben inzwi­schen die Vor­aus­set­zung erreicht, an einem Inte­gra­ti­ons­kurs des Beruf­li­chen Fort­bil­dungs­zen­tren der Baye­ri­schen Wirt­schaft (bfz), zusam­men mit der Bun­des­agen­tur für Arbeit teil­zu­neh­men, der für Asyl­be­wer­be­rin­nen und -bewer­ber mit guter Blei­be­rechts­per­spek­ti­ve ange­bo­ten wird. In rund 320 Unter­richts­ein­hei­ten — 25 bis 30 Unter­richts­stun­den pro Woche — wer­den hier sowohl tie­fer­ge­hen­de Deutsch­kennt­nis­se sowie die beruf­li­che und gesell­schaft­li­che Inte­gra­ti­on geför­dert. The­men des Lehr­stoffs sind unter ande­rem der All­tag in Deutsch­land, Grund­re­geln bei Behör­den­gän­gen, Ein­kau­fen, die Arbeits­welt, Aus­bil­dungs- und Schul­sys­te­me in Deutsch­land, Fra­gen zur medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung, Ori­en­tie­rung im Ver­kehr und vor Ort sowie Sit­ten und Gebräu­che.
Zwei Teil­neh­mer — Abdi­rah­man und Said aus Soma­lia absol­vie­ren der­zeit ein sechs­wö­chi­ges Prak­ti­kum bei der mhplus. Abdi­rah­man träum­te bei sei­ner Ankunft von einer Pro­fi-Fuß­ball-Kar­rie­re und Said stu­dier­te in sei­ner Hei­mat an der High School im Bereich Public Health — heu­te möch­ten bei­de Infor­ma­ti­ker wer­den. Kale­ab aus Eri­trea macht sein Prak­ti­kum in Reis­bach im Alten­heim. Wenn alles nach Wunsch läuft, ist sein Ziel, ein­mal Kran­ken­pfle­ger zu wer­den, Jamal aus Eri­trea lernt wäh­rend sei­nes Prak­ti­kums bei der Fir­ma Wim­ber­ger, wie man Trak­to­ren repa­riert und fühlt sich dort bes­tens auf­ge­ho­ben — denn sein Berufs­wunsch ist Mecha­ni­ker. Ameha­dari aus Eri­trea nimmt am Deutsch-Inten­siv­kurs von bfz und Arbeits­agen­tur teil, der noch bis Som­mer nächs­ten Jah­res läuft. Er inter­es­siert sich für den Berufs­be­reich Lagerwirtschaft/Logistik.
Die ande­ren acht Mit­glie­der der Stein­ber­ger Flücht­lings­grup­pe büf­feln der­zeit von Mon­tag bis Frei­tag in einem Inten­siv­kurs in der „Oidn Bua­ma­schui“ in Fron­ten­hau­sen gemein­sam mit eri­trei­schen und syri­schen Schick­sals­ge­nos­sen aus Fron­ten­hau­sen Deutsch.
Der Kurs ist eben­falls eine AA-Maß­nah­me in Zusam­men­ar­beit mit der Quin-Aka­de­mie, einer mit dem bfz ver­gleich­ba­ren Ein­rich­tung, die noch bis ins Früh­jahr hin­ein dau­ert. Um die deut­sche Spra­che zu ler­nen, neh­men alle Flücht­lin­ge eini­ges in Kauf: In Erman­ge­lung einer ande­ren Fahr­ge­le­gen­heit radln sie bei Wind und Wet­ter zum Unter­richt respek­ti­ve zu ihren Prak­ti­kums­stel­len.
Kurs­lei­te­rin­nen in Fron­ten­hau­sen  sind Uta Wers­dör­fer, Maria Kreml und Jut­ta Fuchs­ber­ger. Aber alle haben ein Ziel, sie möch­ten sich fit machen für den deut­schen Arbeits­markt: Salih, Sele­mon und Seme­re aus Eri­trea sowie Obsiiye aus Soma­lia möch­ten ein­mal Schrei­ner wer­den. Cifa­ni, einer der Jüngs­ten und ein begeis­ter­ter Fuß­bal­ler, möch­te ein­mal Ver­käu­fer im Super­markt wer­den oder viel­leicht auch Gärt­ner, Samir aus Eri­trea strebt eine Stel­le als Secu­ri­ty an, Negid aus Eri­trea möch­te als Mau­rer arbei­ten, wo er schon Erfah­rung mit­bringt und der acht­zehn­jäh­ri­ge Ahmed aus Eri­trea träumt von einer Aus­bil­dung zum KFZ-Mecha­ni­ker.
Die Deutsch­leh­rer der ers­ten Stun­de aus der Gemein­de Mar­k­lk­ofen wer­den in die­ser Zeit der staat­li­chen Inte­gra­ti­ons­maß­nah­men kei­nen zusätz­li­chen Unter­richt geben, ste­hen aber selbst­ver­ständ­lich wei­ter­hin als Ansprech­part­ner und Hel­fer für Haus­auf­ga­ben und Fra­gen ger­ne zur Ver­fü­gung. Dar­über hin­aus nut­zen die Teil­neh­mer an den Inte­gra­ti­ons­maß­nah­men — soweit vor­han­den — das mitt­ler­wei­le ste­tig wach­sen­de Online-Ange­bot zum Deutsch­ler­nen. Aller­dings haben noch nicht alle ein ent­spre­chen­des Note­book. Hier wür­den sich die Betrof­fe­nen freu­en, falls der eine oder ande­re Mit­bür­ger hier ein aus­ran­gier­tes — aber auf jeden Fall inter­net-fähi­ges — Note­book zur Ver­fü­gung stel­len wür­de. Ansprech­part­ner sind Mar­tin Karl­stet­ter oder Egon Hage­ne­der, Tele­fon 08732–1538.

ver­öf­fent­licht im Din­gol­fin­ger Anzei­ger und Vilstal­bo­te